Die Stars von nebenan

»Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, Denn das Glück ist immer da.« Die Verse stammen von Johann Wolfgang von Goethe. Sie passen gut zu einigen momentan als »Superfoods« angepriesenen exotischen Früchten, denen einschlägige Online-Portale und Magazine gerne all das zuschreiben, auf das wir in Sachen Gesundheit und Wohlbefinden schon immer gewartet haben.

Basilikum · Bild: freepik.com

Sie werden bereits als »die Stars unter den Lebensmitteln« gepriesen (vgl. »greenLIFESTYLE«, Nr. 06/2016, Seite 46). Und natürlich gibt es bereits eine ganze Reihe ihnen eigens gewidmeter Kochbücher. Die Rede ist von exotischen Früchten wie z. B. den Açaí-Beeren aus Südamerika, den Gojibeeren aus China oder auch den Maquibeeren aus Chile. Sie erhalten ihre leuchtendrote, kräftigblaue oder samtigviolette Farbe durch so genannte sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu schreibt Wikipedia: »Als sekundäre Pflanzenstoffe kommen Antioxidantien wie Carotinoide und verschiedenste polyphenolische Verbindungen (Flavonoide, Anthocyane, Phytoöstrogene und andere) in zahlreichen Gemüse- und Obstarten, Kräutern, Früchten, Samen etc. vor und auch in daraus hergestellten Lebensmitteln.« Antioxidantien helfen bei der Abwehr von freien Radikalen und oxidativem Stress, fördern den Zellschutz, unterstützen unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit und die körpereigenen Abwehrkräfte (Immunfunktion).

Ist ein Leben ohne »Superfoods« möglich?

Wie bestimmt man den Gehalt an Antioxidantien in Lebensmitteln? 2005 wurde in den USA die ORAC-Mess-Methode eingeführt, wobei ORAC für »Oxygen Radical Absorption Capacity«, also für die Menge an antioxidativer Fähigkeit oder Kapazität von Naturstoffen bzw. Produkten, steht. Der ORAC-Wert wird in ORAC-Einheiten (µmol TE/100 g) angegeben. Gesprochen: Mikro Mol Trolox Equivalent. Je höher der ORAC-Wert, desto besser, desto stärker die antioxidative Kapazität des gemessenen Produktes.

Die ORAC-Werte besagter »Superfoods« können durchaus beeindrucken: Sumach-Kleie vom Essigbaum aus dem östlichen Nordamerika bringt es pro 100 Gramm auf satte 312400, das Moringa-Blattpulver aus Indien auf 62600 und das Açaí-Pulver immerhin auf 39127 Mikro Mol Trolox Equivalent. Wer nun also Alterungsprozessen oder gesundheitlichen Risiken entgegenwirken will, kommt die- oder derjenige überhaupt an »Superfoods« auf dem persönlichen Speiseplan vorbei?

Zimt · Bild: freepik.comMeine Antwort: Ja! – Ein Blick in eine vom Nutrition Data Laboratory U.S. Department of Agriculture (USDA) bestärkt mich. Meine Empfehlungen lauten:

  • Würzen Sie Ihre Back- und Kochkreationen regelmäßig und reichlich; Gewürznelkenpulver (314446 µmol TE/100 g), Zimt (267536 µmol TE/100 g), getrockneter Oregano (200129 µmol TE/100 g) oder Kurkuma (159277 µmol TE/100 g) sind beim ORAC-Wert ganz vorne dabei.
  • Verwenden Sie öfter mal wieder frische Kräuter: Bohnenkraut (9465 µmol TE/100 g), Basilikum (4805 µmol TE/100 g), Dill (4392 µmol TE/100 g), Estragon (15542 µmol TE/100 g), Koriander (5141 µmol TE/100 g), Minze (13978 µmol TE/100 g), Oregano (13970 µmol TE/100 g) u. e. m., die die Gemüsekiste aus regionalen Bio-Gärtnereien anbieten, warten allesamt mit überzeugenden Werten bei den Antioxidantien auf.
  • Auch das regionale Gemüse und Obst gibt allen Anlass, auf Regionalität zu setzen. Versuchen Sie es doch mal mit einem frischen Blumenkohl oder der beliebten »Ackerpille« (3145 µmol TE/100 g), und denken Sie daran, dass die Johannisbeeren gerade reif sind (3387 µmol TE/100 g).
  • Schließlich könnten Sie auf einem Ihrer nächsten Spaziergänge auch bald schon nach Holunderbeeren (14697 µmol TE/100 g) Ausschau halten.

Ich bin sicher, Sie werden keine Mühe haben, die Empfehlung zur täglichen Grundversorgung von ca. 5.000 ORAC-Einheiten (1) bzw. ca. 5.000 bis 7.000 ORAC-Einheiten (2) einzuhalten. Schließlich liefern auch die kurzen Transportwege gute Gründe, der regionalen Auswahl an »Superfoods« den Vorzug zu geben. Das wäre zumindest naheliegend.

 
Andreas Seibert
Juli 2016 – für: Gemüsekiste – Hartmann & Rönicke OHG, Hemmingen
 
1: Dr. Cornelia Friese-Wehr, Joining Health Medicare International GmbH
2: Tufts University, USA
 
Weitere Informationen: ORAC-Werte ausgewählter Lebensmittel (Quelle: U.S. Department of Agriculture, 2007); http://www.orac-info-portal.de/download/ORAC_Werte_ausgewaehlter_Lebensmittel.pdf
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