»Man kann ja nie wissen –«

Kurt Schwitters

Maler, Dichter, Werbegraphiker und Universalkünstler der Merzkunst

* 20. Juni 1887 in Hannover

gest. 8. Januar 1948 in Ambleside/England

Stadtfriedhof Engesohde, Abteilung 6 (Nummer 95 a–d)

Bild: Gedenkplatte für Kurt Schwitters und seinen Gedichtband »Anna Blume« in der Altstadt Hannovers · Andreas Seibert

Nach Studiengängen an der Kunstgewerbeschule Hannover (1908 bis 1909), an der Akademie der Künste in Dresden (1909 bis 1914) und der TU Hannover (1918 bis 1919, Architektur) stellen die MERZ-Bilder einen Wendepunkt in der künstlerischen Laufbahn des Kurt Schwitters dar. Mit Merz bezeichnet das hannoversche Universaltalent seine Technik, aus Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfall Collagen zu erstellen (als Kontrast zum eher destruktiven Dadaismus). Der Begriff ist bald in aller Munde. Man mutmaßt, Schwitters habe ihn den Worten »Commerzbank« oder »Kommerz« entlehnt. Der »Merzbau«, für den der Künstler zwanzig lange Jahre grottenartig Erinnerungsstücke zusammenfügt, fällt wie viele andere seiner Werke den Bombardements des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. (Eine Rekonstruktion ist im hannoverschen Sprengel-Museum zu besichtigen.)

Seinen Ruf als Universalkünstler erwirbt sich Kurt Schwitters auch durch Werbe- und Gebrauchsgraphik (u. a. Arbeiten für die Stadt Hannover und die Pelikan-Werke) sowie lyrische Werke. Sein bekanntestes Gedicht richtet er »An Anna Blume«. Von den Nazis als entartet gebrandmarkt, emigriert er im Januar 1937 nach Norwegen, später nach London. Ehefrau Helma bleibt in Hannover (gest. 1944). 62jährig verstirbt Kurt Schwitters Anfang Januar 1948 im nordenglischen Ambleside. Erst 1970, 22 Jahre später, wird er dorthin überführt, wo die Schwitters-Satire »Das Familiengrab« (1946) spielt: auf den Stadtfriedhof Engesohde seiner Heimatstadt Hannover.

Die Grabstein-Inschrift »Man kann ja nie wissen« könnte auf eine »Rückkehr« des Künstlers schließen lassen. Doch dementierte Hannovers großer Sohn bereits zu Lebzeiten: »Die Unsterblichkeit ist auch nicht jedermanns Sache.«

»Weißt Du es, Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten und von vorne:
A·······N·······N·······A.
Rindetalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich·······liebe·······Dir!«

aus: Gedichtband »Anna Blume«, um 1919

 

Andreas Seibert
September 2008 – für: »Man kann ja nie wissen – Von Menschen und ihren Grabstätten auf Hannovers Friedhöfen«, Landeshauptstadt Hannover · Fachbereich Umwelt und Stadtgrün · 30169 Hannover in Zusammenarbeit mit Büro Oberbürgermeister, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover und Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur der Leibniz-Universität Hannover
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