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Was ist eigentlich ein Magnetventil?

Wenn Kinder physikalische Zusammenhänge verstehen wollen, befragen sie meistens ihre Lehrerin oder ihren Lehrer. Manche löchern auch die Eltern. Und seit das Fernsehen solche Themen kindgerecht aufbereitet, heißt es z. B. in Deutschland immer öfter: »Frag die Maus!« Während sich Kinder »schonungslos« bis zur (richtigen) Antwort »durchfragen«, trauen sich Erwachsene dies viel zu selten. Beispiel Arbeitsplatz: Wie funktionieren eigentlich die Teile, in die ich täglich in hoher Stückzahl die Schrauben X und Y hineindrehe, und welchen Zweck erfüllen die fertigen Produkte? – Für alle, die es (endlich) wissen wollen, sucht Redakteur Andreas Seibert in einer kleinen Serie nach Antworten. Im ersten Teil stellt er sich die Frage: Was ist eigentlich ein Magnetventil?

Kompaktventil 6–15 · Bild: René Ledrado/nass magnet GmbHIch surfe im Internet und versuche mein Glück zuallererst bei nass magnet selbst, besser gesagt auf der Website nassmagnet.com. Dort finde ich im Glossar unter M – »Magnetventil: Einheit, die durch ihren Aufbau und die technischen Daten dazu geeignet ist, die Betätigung von Ventilen für Fluide und Gase vorzunehmen«. – Ich bin etwas verwirrt und denke zurück an nicht gerade zur Kategorie Lieblingsfach zählende Physikstunden in der Schule. Sollte ich nicht komplett auf meinen Ohren »gesessen« haben, hieß es dort: »Zusammen mit den Flüssigkeiten zählen Gase zu den Fluiden.«

Die Bestätigung finde ich im Web, erneut bei Wikipedia. Hätten wir das also geklärt: Fluide sind alles, was als Flüssigkeit wie z. B. Wasser oder Öl oder als Gas wie z. B. Luft oder Abgas daherkommt und irgendwohin will. Wahrscheinlich, so überlege ich, macht es richtig viel Sinn, wenn besagte Fluide nicht von überall herkommen und überall hinkommen können, und ich genieße ganz ohne Lexikon erstmals beim Schreiben dieses Textes das Hochgefühl eines gewissen Aha-Effektes.

Folglich brauchen wir geführte System, z. B. mehr oder minder starke Rohrleitungen und… Ich schaue nochmal in die nass-magnet-Erklärung. War da nicht von »Ventilen« die Rede, und sind Ventile nicht eine… »mechanische Vorrichtung an Blechblasinstrumenten, die das Erzeugen aller Töne der chromatischen Tonleiter ermöglicht«? Zugegeben, stimmt auch, aber die Erklärung 2 a unter duden.de, auf der meine Augen beim Blick auf den Monitor gerade verharren, ist an dieser Stelle vielleicht nicht so zielführend. Schon erleuchtender und ebenda, ein paar Pixel weiter oben, finde ich dies: »Vorrichtung, mit der das Ein-, Aus-, Durchlassen von Flüssigkeiten oder Gasen gesteuert wird.«

Es wird also gesteuert: Hallo, Fluid, jetzt darfst du durch, jetzt nicht! Jetzt wieder, jetzt wieder nicht. Und so weiter… Ganze Arbeit machen sie, die Ventile! Das wäre es doch dann eigentlich schon, oder? Wozu also noch »Magnetventile«? Und warum kann sich mit ihrem Verkauf seit vielen Jahren ein mittelständisches Unternehmen mit einigen hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie nass magnet prächtig entwickeln? Scheint ja ein »Renner« zu sein, so ein Magnetventil, auf jeden Fall ein echtes Muss im (Steuerungs-)System. Hightech, was nicht jeder bauen kann, wie ich annehme.

Stimmt, lese ich in der Bachelorarbeit von Christoph von M., der seit Oktober 2014 im Vertrieb der nass magnet GmbH zuständig für den Online-Verkauf der Produkte des Unternehmens ist. »Durch den Ankerhub (des Magnetventils) kann der pneumatische Weg des zu steuernden gasförmigen Mediums gelenkt werden«, heißt es dort. Was zunächst mal klärt, dass Magnetventile von nass magnet offenbar ausschließlich in gasförmigen Umgebungen (πνεῦμα, Altgriechisch: pneuma »Hauch«, »Wind«) eingesetzt werden. Und zweitens stelle ich mir das so vor, dass ein Magnetventil so eine Art Vorsteuerung vor dem Hauptventil ist, das dem Gas klar vorgibt: Da geht‘s lang… und zwar jetzt! Und jetzt wieder nicht. Und so weiter.

»Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht«, heißt es in einer TV-Wissensshow für Kinder, die eigentlich aus den USA stammt und die seit 1977 in Deutschland und Österreich mit unvermindertem Erfolg gesendet wird. Daran denke ich unwillkürlich, als ich überlege, ob meine abschließende Erklärung, was ein Magnetventil ist, stimmen mag.

Nochmal Christoph von M. (in seiner Bachelorarbeit): »Die Magnetventile von nass magnet werden ausschließlich in pneumatischen Systemen und dort vornehmlich als Vorsteuerungen verwendet… Bei den Magnetventilen von nass magnet handelt es sich um so genannte 2/2- bzw. 3/2-Wege-Ventile (Anzahl der pneumatischen Anschlüsse/mögliche Schaltstellungen). So kann der Druckanschluss in Richtung Arbeitsanschluss entweder freigegeben oder gesperrt bzw. vom Druckanschluss in Richtung Arbeitsanschluss 1 oder 2 gelenkt werden…«

Bingo! Ich liege nicht falsch, und merke mir als »Zauberwort« den Begriff des Vorsteuerns. Bliebe hinzuzufügen, dass ich nach eindringlicher Befragung der »Maus« zur Antwort bekam: Du kannst Magnetventile nicht nur als vorgesteuerte-, sondern auch als direktgesteuerte, zwangsgesteuerte und druckgesteuerte Ventile einsetzen. – Aber das ist eine andere Geschichte, um die es in einer unserer nächsten Folgen des kleinen ABC der nass-magnet-Produkte gehen soll.

Nächstes Mal heißt es erstmal: Wie ist so ein Magnteventil eigentlich aufgebaut? Und im Fernsehen würde es jetzt heißen: Wer‘s wissen will, sollte einfach wieder einschalten.

 
Andreas Seibert
Mai 2015 – für: Unternehmensgruppe nass magnet, Hannover
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